Michaela Niederkircher

michaela1979-1984 Hak Innsbruck
1987-1994 Hochschule für Angewandte Künste, Wien (Prof. Oswald Oberhuber, Prof. Ernst Caramelle)
1994 Diplom
2009-2012 Mozarteum Salzburg

 Mitglied der Tiroler Künstlerschaft
lebt und arbeitet in Innsbruck und Gmunden

Arbeitsfelder:
Künstlerische Fotografie, Projekte im öffentlichen Raum, Aufträge

Markus Neuwirth zu den Raumbeobachtungen von Michaela Niederkircher. Die Momentaufnahme lässt das Davor und das Danach grundsätzlich mitschwingen. Mit derAuswahl der Motive, der Blickwinkel, der Tonigkeit sowie der Licht- und Schattenmassenkann die Künstlerin jedoch Akzente setzen, die den Faktor „Zeit“ deutlicher ins Bewusstseinschieben. Dennoch verbleibt der arretierte Augenblick, das „Jetzt“, im Fokus. Lustvoll betrittMichaela Niederkircher diese Räume der verführerischen Stille, denen das Leben vorher und nachher anhaftet. Fotografie interveniert auf öffentlichen wie privaten Plätzen, zieht etwas heraus. Die Ablichtung demonstriert gegen die Beteiligungslosigkeit an dem Lauf der Dinge. Verschiedene Serien tasten sich an Themen heran, die unaufdringlich aber deutlich einen Keil in den Fluss der Ereignisse treiben. Niederkircher schafft Bühnen, auf denen der Vorhang geöffnet wird zwischen den Akten.
In ihren Interieurs gerät das Abtasten der Dinge zur minutiösen Suche nach der verlorenen Zeit. An den Gebrauchsspuren, an den vergilbten Tapeten sieht man, in Licht und Tonigkeit getaucht, dass das Leben schon mal lebhafter gewesen sein muss. Die Künstlerin tritt in den gelebten, verlassenen Raum ein. Den Kammern und Innenwelten merkt man die Vergangenheit an. Die Patina hat sich über die Vitalität und Aktivität gelegt. Aber nicht hämisch, sondern fast neutral, schildern die Aufnahmen Reste und werden damit berührend. Mit ihren sehr persönlichen und zugleich distanzierten Fotografien greift Niederkircher sowohl in die Öffentlichkeit wie in das Privateste ein. Sie treibt einen Keil in die Lethargie des Harmlosen. Sie schafft Lichthöfe der wieder gewonnenen Zeit. Man bekommt also etwas retour und schaut anschließend genauer hin. Diese Schärfung des bewussten Zuschauens ist einer der größten Verdienste ihrer Arbeiten.